Der Moment

30. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn am Abend so langsam Ruhe in unsere Wohnung eintritt kommt immer ein besonderer Moment für mich. Gemeinsam mit meinem vierjährigen Sohn lege ich mich aufs Sofa, ins Familienbett oder in seine Kuschelecke. Oftmals umringt von einem Stapelbücher, der so manche Kinderbliothek vor Neid erblassen würde. Viele seiner Bücher sind schon so abgegriffen, das man ihnen die Zuneigung, die unser Sohn seinen Büchern entgegenbringt, schon förmlich zu einem sinnlich erfahrbaren Fest wird.

Wir lesen in ihnen, spielen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und/oder verlieren uns in ferne Länder. Manchmal segeln wir aber auch mit kleinen Abenteuern zu fremden Inseln voll mit wilden Kerlen und heulen dann mit genau diesen den Mond an. Er kennt all ihre Geschichten wesendlich genauer als ich sie je vorlesen könnte und ermahnt mich bei jeder freien Interpretation im Kampf der eigenen Müdigkeit. Manchmal verliere ich genau diesen Kampf noch vor ihm und seine Mama muss dann meine Schildmaid sein und den Kampf weiter ausfechten.

Der schönste Moment kommt aber oft nur einen kurzen Augenblick später. Genau zu dem Zeitpunkt, wenn keine Nachfragen mehr gestellt werden und die Decke um uns sich nicht mehr rührt. Sein Atem nimmt dann eine langsamere Geschwindigkeit an. Als würde die Zeit kurz innehalten und die Zeiger werden durch einen Fehler im Uhrwerk für einen kleinen Moment zurückgesetzt um dann dort zu verweilen. Während er dort liegt und die Schwelle ins Traumland überschritten hat verweile ich in diesem Augenblick voller Demut. Er liegt dort und zeigt mir seine ganze Verwundbarkeit, sein Vertrauen in das Leben und in uns.

Als die Traurigkeit in unsere 4 Wände kam….

27. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Just in diesem Moment wurde gerade ein Artikel von mir auf dem Papalapapi – Blog von Max veröffentlicht. Mein Vater ist vor einem halben Jahr verstorben und riss ein ziemlich großes Loch in mein bzw. das Leben meiner Familie. Neben meiner eigenen Trauer galt es aber auch meinem Sohn und meiner Frau einen Raum für die eigene Trauer anzubieten. Zusätzlich befanden wir uns gerade im Wochenbett Nummer Zwei. Unsere Tochter wurde eine Woche vor dem Versterben meines Vaters geboren. Wer mag kann hier den Beitrag lesen.

Mein Dank geht natürlich raus an Max, der meinen Artikel angenommen und online gestellt hat. Danke dafür noch einmal auf diesem Weg.

26. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Es dürfte bekannt sein, das wir alle älter werden. Aufzuhalten ist dieser Umstand wohl kaum. Vor einigen Tagen ist mir dieser Umstand mal wieder aufgefallen. Glücklicherweise musste ich dafür nicht zum Arzt oder spürte ähnliches Gebrechen. Tumblr schenkte mir diesen Umstand. Dort hoste ich einen weiteren Blog. Durch einen Zufall habe ich dort einen alten Bekannten bzw. dessen Blog gefunden.

Beim Stöbern in seinem Archiv ist mit mir aufgefallen wie sehr er sich in den letzten Jahren eigentlich nicht verändert hat. Ob ich das jetzt positiv oder negativ bewerten will soll jetzt nicht geklärt werden. Eine Tendenz dürfte aber zu erkennen sein. In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen bzw. ist mir die Fragen aufgekommen wann ich oder er eine andere Abzweigung gegangen bin bzw. er sie genommen hat. Ich find sehr beeindruckend, wenn sich Menschen über Jahre mit einem Thema beschäftigen können. Wenn sie dann ihr Hobby für den Sicherung ihres Lebensunterhalt ausbauen können ziehe ich gerne meinen Hut. Aber mit Mitte dreizig noch an einem Typus festzukrallen bzw. ihn zu verkörpern der selbst bei halb zu alten Teenagern eher anstrengend wirkt löst in mir dann noch das was landläufig als Fremdschämen durchgeht aus.

Gleiche Geschichte. Anderer Protagonist. Ich war heute morgen mit dem Kurzen beim Bäcker. Etwas was wohl genug Menschen jeden Sonntag machen bzw. schaffen. Da in unserer Stadt die Auswahl an Bäckereien die sonntags Morgens geöffnet haben dann doch eher gering ist gibt man sich dort dann schnell die Klinke in die Hand. Die besagte Bäckerei befindet sich „verkehrsgünstig“ gelegen“ an der größten Kreuzung in der Innenstadt. Vor dieser Bäckerei befinden sich mehrere Busspuren, die auch Sonntagmorgens bedient werden. Dort sammeln sich dann auch gerne allmöglichen Gestalten und Nachtschattengewächse, die sich auf dem Weg nach Hause sind oder andere Ziele ansteuern möchten. Unser Ziel war ja der Bäcker. Nach dem der Sohnemann den Entscheidungskampf zwischen Schoko- oder Rosienenbrötchen entschieden hatte ( „einfach beides Papa, ja?“) hörten wir von draußen ein selbstzufriedenes Öffnen einer Bierflasche. Untermalt mit einem Blick den ich hiermit gerne aus meinem Bilderspeicher abgeben möchte. Dort stand eine weitere, entfernte Person aus meiner Vergangenheit.So entfernt, dass ich selbst nicht mehr den Namen weiß. Da er mich aber sofort erkannt hat war mir schnell klar da er selbst peinlich berührt auf vollgespuckten Boden nun blickte. Klar, wäre es jetzt vermessen dadrüber zu urteilen was ihn dazu getrieben hat morgens um 9 sein letztes oder erstes Bier zu trinken. Ich weiß auch nicht ob er irgendwann einen Schicksalsschlag erlebt hat und diesen immer noch bearbeitet hat. Oder hat er nur einen Abend mit seinen Freunden zu lang gefeiert weil er selbst was positives erlebt hat und jetzt die Kurve nach Hause zu seiner Familie nicht bekommt?

Aber es sind halt meine Gedanken, die seid dem auf und abrennen. Ich bin dankbar, dass ich heute 2 wundervolle Kinder mit der perfekten Frau habe. Kinder und Frauen haben scheinbar eine merkwürdige Kraft. Die einen ziehen sie auf Bahnen die in Richtung Sonnenuntergang und Happy End bringen und den anderen können diese Dinge aber auch aus genau diesen geregelten Bahnen werfen.

Ein Stück vom Glück.

24. Oktober 2014 § Ein Kommentar

 

Durch einem Artikel von Johanna in ihrem Blog bin ich heute Morgen auf das Thema Schutzfaktoren für eine glückliche Kindheit gestoßen. In diesem Zusammenhang wird von unterschiedlichen Fachleuten immer wieder das Wort „Resilienz“ benutzt. Hinter diesem Wort verbirgt sich eigentlich eine Eigenschaft, die zuerst in der Industrie bzw. bei der Beschreibung von Materialeigenschaften genutzt wurde. Resilienz beschreibt dabei die Fähigkeit eines Systems nach einem Vorfall zurück in die Ursprungsform zurück zu springen bzw. sich zurück zu formen. Am besten stellst du dir ein Stehaufmännchen oder ein Gummiband vor. Beides kehrt nach einem „Angriff von außen“ in den Ursprungszustand zurück ohne daran zu zerbrechen bzw. zu reißen.

In die Pädagogik bzw. in anderen verwandten Geisteswissenschaften fand dieses Konzept durch die Arbeiten von Emmy Werner seinen Platz. Johanna verweist in ihrem Blog auf das Buch „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“ von Ben Furmann. Wie der Zufall es will trage ich dieses Goldstück von einem Buch schon lange in meinem Taschenbegleiter mit mir rum und lese immer mal wieder da drin. Wenn ihr es irgendwo mal in die Finger bekommt unbedingt reinschauen. Es lohnt sich. Dort werden keine großen Theorien oder Fachbegriffe benutzt. Nein im Gegenteil. Ben Furman lässt einfach das Fachgesimpel und übergibt das Wort an „resiliente“ Menschen die sich nach einem Schicksalsschlag wieder aufgerichtet haben und weitergemacht haben. Dabei stellt er ihnen nur drei einfache Fragen:

  • Was hat Ihnen persönlich geholfen, die schwierigen Kindheitserlebnisse zu bewältigen?
  • Was haben Sie aus Ihrer schwierigen Kindheit gelernt?
  • Wie haben Sie später im Leben die Erfahrung gesammelt die Ihnen in der Kindheit gefehlt haben?

Die daraus resultierenden Antworten bzw. die Beschreibungen sind eine Fundgrube an Streicheleinheiten für die Seele.

Bei uns zu Hause bzw. auch bei meiner Arbeit hat Resilienz einen hohen Stellenwert. Schließlich möchte ich, dass meine beiden eigenen Kinder aber auch meinen Besuchern über genau diese Faktoren verfügen bzw. möchte ich ihnen einen Kontext anbieten in dem sie diese Fähigkeit entwickeln können. Dafür ist uns zu Hause wichtig, dass wir selbst erst einmal einen hohes Maß an Fehlertoleranz zeigen und auch von unseren Kindern keine Perfektion erwarten. Fehler zu machen ist kein Problem und notfalls stehen wir für einander ein und helfen uns gegenseitig. Unsere Kinder sollen uns als eine Stütze erleben eigene Erfahrungen zu machen. Egal, ob sie jetzt positiv oder negativ ausgehen.

Das heißt aber auch, dass wir eine Basis bei uns selbstschaffen mussten, eigene Fehler nicht als K.O.- Kriterium anzusehen sondern eher eine Chance zur Weiterentwicklung in ihnen sehen. Ebenso ist es wichtig, dass wir über ein intaktes Netzwerk bzw. gut sozial eingebunden sind. Menschen, die wissen wie sie sich nach einem Schicksalsschlag Hilfe holen können, werden diesen Weg auch eher einschlagen als Menschen die nicht über entsprechende Strategien verfügen. Das Packen eines „Notfallkoffers“ für brenzlige Situationen macht Kinder oftmals viel Freude und holt sie an ihrem Wissenstand ab und lässt sie selbstwirksam mitbestimmen wie sie eine schwierige Situation meistern können. „Wen kannst Du fragen wenn du Hilfe brauchst? Wenn als zweites oder als drittes? Wo gehst Du hin wenn etwas Schreckliches passiert ist? Wer würde es als erstes merken, das Du Hilfe brauchst? Woran merkst Du, das du dir etwas Gutes tust?“ sind nur Beispiele für solch ein Gespräch. An solchen Gesprächen können oftmals auch schon Kindergartenkinder teilnehmen und entwickeln erstaunliche Antworten.

Wichtig ist es uns auch, dass unsere Kinder eine gesunde Balance zwischen Anspannung und Entspannung spüren. Nur so können unsere Kinder Unterschiede wahrnehmen und bestimmen wie sie genau diese Unterschiede herstellen können. Kinder benötigen auch freie unangeleitete Zeit in denen sie selbstbestimmt ihre Zeit verbringen können. Das ständige Wechseln von einem Programmpunkt ala Spielgruppe, Musikschule, Sportangebot etc. findet bei uns nicht statt. Entspannung und Spiel findet in der Natur, im Garten (leider nur bei Oma und Opa) oder im Hinterhof statt. Da uns das Helikopterelterndasein zu anstrengend ist müssen wir ihnen und ihren Fähigkeiten mit Herausforderungen umzugehen zwangsläufig vertrauen. Dafür gewinnen wir aber auch selbst Zeit uns zu erholen bzw. unsere eigenen Herausforderungen zu meistern.

Das Thema Resilienz bietet sicherlich noch eine Menge interessante Fragestellungen. Von daher würde ich gerne eure Erfahrungen dazu lesen. Wie geht ihr damit um oder was macht ihr damit eure Kinder resilient werden können? Ran an die Kommentare oder wenn ihr lieber via Mail euch melden wollt nutzt diesen Weg. Ich bin gespannt.

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